
Eltern pflegen: Wie Sie die Pflege in der Familie fair aufteilen und organisieren
Ihr Vater kann nach einem Sturz nicht mehr allein einkaufen und braucht morgens Hilfe beim Anziehen. Ihre Schwester wohnt im Nachbardorf, Ihr Bruder in Basel, und Sie selbst arbeiten 80 Prozent und haben zwei Kinder. Ohne dass jemand es so entschieden hat, übernimmt nach ein paar Wochen eine Person den Grossteil der Pflege. So oder ähnlich beginnt die Pflege von Eltern in vielen Familien. Dieser Artikel zeigt, wie Sie die Aufgaben rund um die Pflege Ihrer Mutter oder Ihres Vaters zu Hause offen besprechen, fair verteilen und mit Beruf und eigener Familie vereinbaren – und was Sie tun können, wenn sich nicht alle beteiligen.
Warum die Pflege oft an einer Person hängen bleibt
In den meisten Familien wird die Pflege nicht geplant, sondern sie ergibt sich. Wer am nächsten wohnt, wer zuerst einspringt oder wer «sowieso flexibel» scheint, übernimmt immer mehr. Die anderen Geschwister merken oft gar nicht, wie viel Arbeit inzwischen dahintersteckt.
Das Problem ist selten böser Wille, sondern fehlende Absprache. Solange niemand die Aufgaben offen auf den Tisch legt, bleibt unsichtbar, wer was leistet. Deshalb lohnt sich ein gemeinsames Gespräch früh – am besten, bevor sich jemand überfordert fühlt.
Das Familiengespräch: So bereiten Sie es vor
Ein gutes Familiengespräch braucht etwas Vorbereitung. Sonst dreht es sich schnell um alte Konflikte statt um die aktuelle Situation.
Machen Sie zuerst eine Liste der Aufgaben. Notieren Sie eine Woche lang, was alles anfällt: Einkaufen, Arzttermine, Medikamente richten, Körperpflege, Wäsche, Post und Rechnungen, Telefonate mit der Krankenkasse, Gesellschaft leisten, Hilfe in der Nacht. Erst diese Liste macht sichtbar, wie viel Pflege für Familienangehörige tatsächlich bedeutet.
Laden Sie alle Beteiligten ein. Dazu gehören die Geschwister und, wenn möglich, auch die Partnerinnen und Partner. Wenn es der Gesundheitszustand erlaubt, sollten Ihre Eltern selbst dabei sein. Es geht schliesslich um ihr Leben und ihre Wünsche. Wer weit weg wohnt, kann per Video teilnehmen.
Beginnen Sie mit den Bedürfnissen Ihrer Eltern. Was ist ihnen wichtig? Wo möchten sie Hilfe, wo nicht? Danach sagt jede Person, was sie leisten kann und will – ehrlich und ohne Rechtfertigungsdruck.
Halten Sie die Abmachungen schriftlich fest. Ein einfacher Wochenplan oder ein geteilter Kalender verhindert Missverständnisse. Vereinbaren Sie zudem einen Termin in zwei bis drei Monaten, an dem Sie gemeinsam prüfen, ob die Aufteilung noch passt. Der Pflegebedarf verändert sich, und die Abmachungen sollten das auch dürfen.
Wenn die Stimmung in der Familie angespannt ist, kann eine neutrale Fachperson helfen. Bei einer Pflegebedarfsabklärung durch die Spitex wird gemeinsam festgehalten, welche Unterstützung Ihr Vater oder Ihre Mutter braucht. Das schafft eine sachliche Grundlage für die Aufteilung in der Familie.
Fair heisst nicht gleich viel
Eine faire Aufteilung bedeutet nicht, dass alle gleich viele Stunden übernehmen. Wer in Basel wohnt, kann nicht jeden Morgen beim Anziehen helfen. Er kann aber andere Aufgaben übernehmen, die ebenso wichtig sind. Wichtig ist, dass jede Person einen Teil trägt, der zu ihrer Situation passt.

Wenn sich ein Geschwister nicht beteiligt
Der Bruder kümmert sich nicht um die pflegebedürftige Mutter, während die Schwester fast alles allein trägt: Diese Situation ist häufig und belastet Familien stark. Oft kommen Enttäuschung, Wut und alte Geschichten aus der Kindheit zusammen.
Hilfreich ist es, zuerst nach den Gründen zu fragen – ohne Vorwurf. Manche fühlen sich überfordert, haben Angst vor dem Älterwerden der Eltern oder wissen schlicht nicht, wo sie anfangen sollen. Andere sehen gar nicht, wie viel Arbeit anfällt, weil sie selten vor Ort sind.
Statt allgemein «mehr Hilfe» zu verlangen, wirkt eine konkrete Bitte besser: «Kannst du jeden zweiten Samstag den Einkauf übernehmen?» oder «Kannst du dich um die Rechnungen kümmern?» Eine klar umrissene Aufgabe ist leichter anzunehmen als eine unbestimmte Erwartung. Sprechen Sie dabei von sich: «Ich merke, dass ich an meine Grenzen komme» kommt besser an als «Du machst nie etwas».
Manchmal ändert sich trotzdem nichts. Dann ist es wichtig, das zu akzeptieren und die Lücke nicht allein zu füllen. Wer dauerhaft mehr trägt, als er kann, riskiert die eigene Gesundheit. Woran Sie eine Überlastung frühzeitig erkennen, lesen Sie in unserem Beitrag So erkennen Sie Überlastung als pflegender Angehöriger.
Übrigens: Wenn eine Person in der Familie den Grossteil der Pflege übernimmt, kann sie sich dafür bei einer Spitex anstellen und entlöhnen lassen. Das macht die geleistete Arbeit sichtbar und sorgt oft für mehr Fairness unter Geschwistern. Wie das funktioniert, erklären wir im Artikel Entlöhnung für pflegende Angehörige – 5 Mythen und was wirklich gilt.
Pflege, Beruf und eigene Kinder vereinbaren
Viele pflegende Angehörige stehen mitten im Berufsleben und haben selbst noch Kinder zu Hause. Die Pflege mit Kindern und Beruf zu vereinbaren, gelingt nur mit klaren Grenzen und etwas Unterstützung.
Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice an einzelnen Tagen oder eine vorübergehende Reduktion des Pensums können viel Druck wegnehmen. Seit 2021 haben Arbeitnehmende in der Schweiz zudem Anspruch auf einen bezahlten Kurzurlaub für die Betreuung von Angehörigen: bis zu drei Tage pro Ereignis und höchstens zehn Tage pro Jahr.
Schützen Sie feste Familienzeiten. Der Znacht mit den Kindern oder der freie Sonntag sollten nicht jedes Mal der Pflege weichen müssen. Ihre Kinder brauchen Sie ebenfalls – und Sie brauchen Erholung.
Beziehen Sie Ihre Kinder altersgerecht ein. Kinder spüren, wenn Grossmutter oder Grossvater krank ist. Erklären Sie ihnen offen, was los ist. Kleine Aufgaben wie ein gemeinsamer Besuch, ein Telefonat oder eine Zeichnung können für beide Seiten wertvoll sein. Pflegeaufgaben gehören hingegen nicht in Kinderhände.
Hilfe bei der Pflegeorganisation: Was die Spitex übernehmen kann
Keine Familie muss die Pflege ihrer Eltern allein stemmen. Eine Spitex kann genau dort einspringen, wo die Familie an ihre Grenzen kommt – zum Beispiel bei der Körperpflege am Morgen, bei der Wundversorgung, im Haushalt oder in der Nacht. Die Familie bleibt dabei wichtig: für Gesellschaft, Ausflüge und all das, was nur Angehörige geben können.
Fit for Care unterstützt Sie auch bei der Organisation. Wir klären gemeinsam mit Ihnen und Ihren Eltern ab, welche Hilfe nötig ist, koordinieren die ärztliche Verordnung und stimmen unsere Einsätze mit den Aufgaben der Familie ab. So entsteht ein Plan, auf den sich alle verlassen können.
Hilfe von aussen anzunehmen, ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Sie sorgt dafür, dass die Pflege langfristig funktioniert und die Beziehung zu Ihren Eltern nicht nur aus Pflichten besteht. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Wieso pflegende Angehörige öfter Hilfe annehmen sollten.
Häufige Fragen zur Pflege von Eltern
Bin ich verpflichtet, meine Eltern selbst zu pflegen?
Nein. In der Schweiz gibt es keine gesetzliche Pflicht, die eigenen Eltern persönlich zu pflegen. Ob und wie viel Sie übernehmen, ist Ihre Entscheidung – und darf sich auch nach Ihren eigenen Möglichkeiten richten.
Kann ich für die Pflege meiner Mutter oder meines Vaters entlöhnt werden?
Ja. Pflegende Angehörige können sich bei einer anerkannten Spitex wie Fit for Care anstellen lassen und erhalten für abgeklärte und ärztlich verordnete Leistungen der Grundpflege einen regulären Lohn. Welche weiteren Unterstützungsangebote es gibt, erfahren Sie im Artikel Pflegende Angehörige: Welche Unterstützung steht mir zu?
Was tun, wenn meine Eltern keine Hilfe von aussen wollen?
Das ist verständlich – niemand gibt gern Selbstständigkeit ab. Oft hilft es, klein anzufangen, zum Beispiel mit einer Haushaltshilfe einmal pro Woche. Wenn Ihre Eltern die Person kennenlernen und merken, dass sie selbst bestimmen können, wächst das Vertrauen meist von selbst.
Wie oft sollten wir die Aufteilung in der Familie überprüfen?
Am besten alle zwei bis drei Monate und zusätzlich immer dann, wenn sich etwas verändert – etwa nach einem Spitalaufenthalt, bei einer neuen Diagnose oder wenn jemand in der Familie weniger Zeit hat.
Gemeinsam eine Lösung für Ihre Familie finden
Sie müssen nicht alles allein organisieren. Fit for Care berät Sie und Ihre Familie kostenlos und unverbindlich: Wir schauen gemeinsam, welche Unterstützung Ihre Eltern brauchen, was die Familie übernehmen kann und wo wir sie entlasten. Nehmen Sie jetzt Kontakt mit uns auf – wir freuen uns auf Ihre Nachricht.



